Ein Kleinod in Schrobenhausen. Grabstätte, Parklandschaft, Kulturdenkmal. Der Alte Friedhof in Schrobenhausen ist ein einzigartiges Denkmal einer über 200-jährigen Stadtgeschichte.
Für Angehörige ist er noch immer ein Platz der Trauer, für Besucher und Passanten ein Ort der Erholung und für historisch Interessierte ein in Stein gehauenes Geschichtsbuch. Unabhängig von dieser Charakteristik war der alte Friedhof für die Nachbarskinder immer einer der schönsten Spielplätze. Kreisheimatpfleger Hans Hammer kann einiges zur Geschichte des Alten Friedhofs und der Friedhofskapelle erzählen.
Der erste nachgewiesene Friedhof war wohl um die Stadtpfarrkirche St. Jakob nach deren Fertigstellung im 15. Jahrhundert errichtet worden.
Dazu bestand ein sogenannter Karner, ein Beinhaus. 1538 wurde ein Teil des Beinhauses/Karner zu einer Sakristei umgebaut. 1734 wurde der restliche Karner aufgelassen und die Sakristei ausgebaut.
Schon Ende des 16. Jh. wurde dieser Friedhof um die Stadtpfarrkirche St. Jakob zu klein. Ein neuer Gottesacker wurde genau an der Stelle des jetzigen Alten Friedhofs errichtet. 1625 oder 1628 wurde mit dem Bau einer Gottesackerkapelle begonnen.
Es kam aber wieder einmal ganz anders.
Ab 1644 wurde auf dem Gelände, das für den neuen äußeren Friedhof vorgesehen war, mit dem Bau des Franziskanerklosters begonnen und die Gottesackerkapelle 1645 als Klosterkirche vollendet.
Als Ersatz für den geplanten neuen äußeren Friedhof wurde nun an der Ecke Pettenkoferstraße/Pöttmeser Straße ein sogenannter Armen- oder Seuchenfriedhof zusätzlich zum Kirchfriedhof um die Stadtpfarrkirche St. Jakob errichtet. Dieser Armen- und Seuchenfriedhof wurde dann 1882 aufgelassen.
Das Franziskanerkloster einschließlich der Klosterkirche ist bei der Säkularisation (1802/1803) aufgelassen und geschleift worden. Nach dieser sinnlosen Zerstörung gab es jetzt wieder Platz für den notwendigen neuen Friedhof.
Auf dem Trümmerfeld des vorherigen Franziskanerklosters wurde der neue Gottesacker bestellt und öffentlich eingeweiht. Die Einweihung des neuen, äußeren Friedhofs an der Bahnhofstraße war am 6. Juni 1805. Der Friedhof um die Pfarrkirche St. Jakob wurde aufgelassen.
Der also 1805 eingeweihte äußere Friedhof wurde bereits 1825 zum ersten Mal und dann 1841 zum zweiten Mal erweitert.
Die heutige Friedhofskapelle wurde erst 1851 bis 1852 von Stadtbaumeister Joseph Lenbach im neugotischen Stil gebaut. Es wurde das Patrozinium oder Titularfest der ehemaligen Franziskaner-Klosterkirche übernommen. Sie ist somit eine „Allerheiligen“-Kirche. Das Patrozinium ist demnach am 1. November.
Zwischen der Friedhofskapelle und dem Wohnhaus des Leichen- und Friedhofswärters befand sich bis Mitte der 1970er-Jahre ein Leichenhaus.
1866 regte Maurermeister Josef Lenbach jun. den Bau eines modernen Leichenhauses mit den nötigen Nebenräumen an. Von Februar bis September 1868 wurde es gebaut.
Der gesamte alte Friedhof einschließlich aller Grabdenkmäler und der Friedhofskapelle ist seit 1991 in die offizielle Denkmalliste eingetragen und ist somit in seiner Gesamtheit ein denkmalgeschütztes Objekt – und somit in seinem Bestand gesichert.
Text und Foto: Hans Hammer, Kreisheimatpfleger
Dieser Beitrag wurde zuerst im Pfarrbrief Erntedank 2023 auf Seite 4 veröffentlicht.
