Der barock aufgestockte, gotische 40 m hohe Turm der Frauenkirche zu „Unserer lieben Frau“ prägt neben dem 70 m hohen Turm der Stadtpfarrkirche die Ansicht des Stadtbildes. Von 1409 bis 1416 wurde die Kirche gebaut, 1417 erfolgte die Weihe. Sie ist somit die älteste Kirche in Schrobenhausen. Im Jahr 2017 konnten wir 600 Jahre Frauenkirche mit verschiedenen Aktionen feiern.
Die Urkunde der Frauenkirche, die als Stifter Ulrich Peisser nennt, gehört zu den ältesten Zeugnissen im Pfarrarchiv; 1442 kam das Heilig-Geist-Spital ebenfalls als Stiftung hinzu. Durch Meister Martin Räffler erhielt die Kirche 1572 ein steinernes Gewölbe. Im Jahr 1713 wurde die Kirche radikal umgebaut: Sie wurde gewestet und der bisherige Choraltar im Untergeschoss des Turmes musste weichen. Eine Flachdecke wurde eingezogen. Anton Wiest und Mathias Paumgartner schufen 1747–52 einen neuen Altar, etwa zur selben Zeit schmückte Ignaz Baldauff die Decke mit einem Fresko. Eine weitere Renovierungsmaßnahme ab 1879 war der Beginn einer Neuromanisierung und zerstörte leider die bisherige Ausstattung. 1963/64 entstand im Rahmen einer grundlegenden Neugestaltung eine Saalkirche. Von Spiegelfenstern wurde die um 1500 geschaffene, überarbeitete Pietà umrahmt. 1980 wurde die Stuckdecke wieder angebracht. Zwei Ölgemälde an der linken Wand zeigen die Jungfrau Maria und ihre Krönung im Himmel. Das barocke Sebastiansbild an der rechten Wand ist ebenso wie das Kreuz und die Reliquiare neben dem Tabernakel eine Leihgabe der Maria-Ward-Schwestern, die von 1861 bis 1993 direkt nebenan ihr Kloster hatten. Die Orgel mit vierzehn Registern wurde 1967 von den Gebrüdern Sandtner gebaut. Bis 1886 wohnte über der heutigen Sakristei der letzte Frauentürmer von Schrobenhausen – Johann Nepomuk Hickl. Er war der letzte Inhaber der Türmerwohnung. Ebenfalls historisch wertvoll ist die von Stadtpfarrer Beyrer 2013 entdeckte und vermutlich aus dem Ersten Weltkrieg stammende Ratsche, direkt unterhalb der Glocken. Sie läutet am Karfreitag zum Gottesdienst. Zur ewigen Anbetung wird auch zwischen Karfreitag und Ostersonntag das heilige Grab in der Frauenkirche aufgebaut. Eine kleine Kirche mit einer großen Geschichte!
Die Frauenkirche wird an den Wochentagen und am Sonntagabend für Gottesdienste genutzt. Ebenso ist sie Gastkirche für die rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinde, die jeden Sonntagvormittag dort Liturgie feiert.
Text+Foto: Carola Pelikan
Dieser Beitrag wurde zuerst im Pfarrbrief Pfingsten 2026 auf Seite 4 veröffentlicht.
