Nach Auflassung des Friedhofes um die Stadtpfarrkirche St. Jakob ist 1805 auf dem Trümmerfeld des vorherigen Franziskanerklosters ein neuer Gottesacker eingeweiht worden.
Die heutige Friedhofskapelle wurde erst 1851 bis 1852 im neugotischen Stil gebaut. Es wurde das Patrozinium der ehemaligen Franziskaner-Klosterkirche übernommen. Es ist somit eine „Allerheiligen“-Kirche. Das Patrozinium ist demnach am 1. November. Alljährlich findet jedoch am 2. November, also an Allerseelen, in der Friedhofskapelle ein Gedenkgottesdienst statt.
Geplant und mit dem Bau begonnen hat Stadtbaumeister Joseph Lenbach. Nach seinem Tod 1853 führten seine Witwe Elisabeth und sein Sohn Joseph das Geschäft fort und vollendeten den Bau. An der Friedhofskapelle haben vier Lenbachs mitgearbeitet: Stadtbaumeister Joseph Lenbach, sein ältester Sohn, der Bau- und Steinmetzmeister Joseph Lenbach, der spätere Malerfürst Franz Lenbach als Maurerlehrling und der jüngste Sohn Albert Georg Lenbach, der spätere Münchener Baumeister.
Schreinermeister Anton Wiest fertigte den Altar in byzantinischem Stil und Bildhauer Jakob Wintermayer fasste ihn und vergoldete die Verzierungen und Gesimse. Über dem Altar flankieren links und rechts zwei Engel den Altar. Diese stammen aus dem 1858 vom Bildhauer Anselm Sickinger (1807–1873, Franz von Lenbach war u. a. auch ein Schüler Sickingers) aus München geschaffenen neugotischen Hochaltar der Stadtpfarrkirche St. Jakob. Das Kirchengestühl wurde sicherlich auch vom Kunstschreiner Anton Wiest gefertigt. Bemerkenswert ist der eisenbeschlagene Opferstock. In der Mitte der rechten Seitenwand ist ein Kreuz mit Christuskorpus, das vermutlich noch aus der ehemaligen Franziskaner-Klosterkirche stammt. Rechts hinten ist ein Epitaph des Stadtpfarrers Anton Schwab. Der große schmiedeeiserne Kronleuchter ist das Gesellenstück des Schlossers Karl Anneser. An der linken Seitenwand hinten befindet sich eine Ehrentafel zum Gedächtnis der Gefallenen und Vermissten des Bezirks Schrobenhausen im Krieg gegen Frankreich 1870 bis 1871, die bis zur Umgestaltung der Stadtpfarrkirche St. Jakob 1955 dort untergebracht war. An der Rückseite befinden sich eine farblich gefasste Mutter-Gottes mit Jesuskind und eine Herz-Jesu-Figur.
Die Glocke im Turm ist gestiftet vom angesehenen Handelsmann und Magistratsrat Joseph Khann. Zwei Epitaphe an der Ostfassade erinnern an Dr. Josef Wensauer, Kgl. Bezirksarzt I. Klasse, und seinen Sohn Simon.
Die komplette Friedhofsanlage und die Friedhofskapelle sind seit 1991 in die offizielle Liste der denkmalgeschützten Objekte in Bayern aufgenommen.
Text und Fotos: Hans Hammer, Kreisheimatpfleger
Dieser Beitrag wurde zuerst im Pfarrbrief Advent/Weihnachten 2022 auf Seite 4 veröffentlicht.

